Schule und Nachhilfeunterricht als Erfahrungsräume der Subjektkonstitution 

Verantwortliche Person: Melanie Schubsky, B.A. (Dissertationsprojekt)


Die Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht ist in Deutschland ein weit verbreitetes Phänomen. Aktuell nutzen ca. 10% aller Schüler:innen Nachhilfeunterricht, jede:r dritte Schüler:in nimmt diesen im Laufe der Schulzeit in Anspruch (vgl. Haag & Streber 2017, S. 6; Streber 2018, S. 104). Nachhilfeschüler:innen sind dabei hauptsächlich Jugendliche aus den weiterführenden Schulen (vgl. Klemm & Hollenbach-Biele 2016, S. 26; Birkelbach, Dobischat & Dobischat 2017, S. 63f.; Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2018, S. 112). In der Regel wird der Nachhilfeunterricht drei Monate bis zu einem Jahr genutzt (vgl. Haag & Streber 2017, S. 7). Schüler:innen verbringen somit einen nicht unerheblichen Anteil ihrer Freizeit in nachhilfeunterrichtlichen Settings. Es ist davon auszugehen, dass der genutzte Nachhilfeunterricht als mit der Schule verbundene Fördermaßnahme eine lebensweltliche Relevanz in der Bildungsbiografie der Kinder und Jugendlichen aufweisen kann. Die Forschung zu Nachhilfeunterricht fokussiert bisher Fragen der Effektivität, der Verbreitung, der Nutzungsdauer oder der Kosten der Nachhilfeangebote (vgl. Krüger 1977; Dohmen, Erbes, Fuchs & Günzel 2008; Klemm & Hollenbach-Biele 2016; Haag & Streber 2017). In dieser Forschungsarbeit wird die Perspektive auf die konkreten Erfahrungen der Schüler:innen in nachhilfeunterrichtlichen Angeboten zentriert. Sie liefert Erkenntnisse zu dem Desiderat: „Welche Erfahrungen machen Nachhilfeschüler:innen mit Nachhilfeunterricht? Wie wirken sich erfahrene Adressierungen seitens der Eltern, Lehrkräfte, Nachhilfelehrer:innen sowie der Peers auf Subjektivierungsprozesse der Nachhilfeschüler:innen aus?“     

In Anschluss an Judith Butler (2001/2021) werden die Nachhilfeschüler:innen dabei als relationale Subjekte verstanden, die durch konkrete Erwartungen anderer – Eltern, Fach- und Nachhilfelehrkräfte sowie Peers – positioniert werden und sich zu diesen Erwartungen ebenfalls positionieren.