Gefördert im Forschungsschwerpunkt „Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK), Laufzeit: 2025-2026
Tradwife (traditional wife) ist eine Social-Media-Persona von Influencerinnen, die auf Plattformen wie Instagram und TikTok Content zur Ausgestaltung einer neo-traditionellen Frauenrolle produzieren und sich dabei vornehmlich auf partnerschaftliche und familiäre Sorgetätigkeiten beziehen. Während soziale Netzwerke in der Vergangenheit durch Diskurse umfassender Selbstoptimierung (Einklang von Sport, Ernährung, Karriere, Bildung etc.), etwa in der #ThatGirl- und #GirlBoss-Bewegung, geprägt waren, rückt in diesen neuen Formaten also eine radikale Häuslichkeit ins Zentrum der performativen Darstellung von Weiblichkeit. Dies geschieht auch in expliziter, bisweilen scharfer Abgrenzung zu feministischen Positionen in Diskursen um die Vereinbarkeit von Sorge- und Berufstätigkeit, wobei zugleich ostentativ auf feministische Rhetoriken der Selbstbestimmtheit und der Befreiung – nun mit umgekehrten Vorzeichen – zurückgegriffen wird.
Unser Forschungsprojekt verbindet Geschlechterforschung mit Erwachsenenbildungsforschung und arbeitet hier unterschiedliche Schwerpunkte heraus:
1. Geschlechterforschung: Diskursanalyse zur systematischen Rekonstruktion und Einordnung des Tradwife-Phänomens als spezifische neo-traditionale Form von Weiblichkeit; der Fokus liegt dabei auf dem aktiven In-Beziehung-Setzen zu feministischen Positionen und insbesondere zu geschlechtsspezifischen Problemlagen (Vereinbarkeitsproblematiken)
2. Erwachsenenbildungsforschung: Rekonstruktive Analyse der social-media-basierten Vermittlungspraktiken umfassender Geschlechterbildung, d.h. der Vermittlung von identitätsbezogenem, politisiertem Wissen, Denken und Können in Bezug auf Frau-Sein
3. Zusammenführung: Beide Perspektiven werden in der rekonstruktiven Analyse der Tradwife-Persona zusammengeführt, die als Subjektform in den Blick kommt, in der bestimmte Lösungs- und Vermittlungsansprüche aufeinander verwiesen sind und sich wechselseitig konstituieren (Vereinbarkeitsproblematiken und Frau-Sein)