Forschung

Radikale Häuslichkeit als Praxis umfassender Geschlechterbildung – Die diskursive und performative Bearbeitung von Vereinbarkeitsproblematiken durch Tradwife-Influencerinnen


Projektleitung: Prof. Dr. Julia Elven

Projektmitarbeiterinnen: Dr. Sarah Wieners und Annika Marek

Förderung: Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) zum Forschungsschwerpunkt „Dimensionen der Kategorie Geschlecht - Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“

Laufzeit: 2025-2026


Kurzbeschreibung

Das Forschungsprojekt untersucht sogenannte Tradwife-Influencerinnen (Neologismus: traditional wives) als Form umfassender Geschlechterbildung auf der social-media Plattform Instagram.
Tradwives stellen eine spezifische Ausprägung von Influencer-Personas dar, die auf den Plattformen Instagram und TikTok Content zur Ausgestaltung einer (neo-)traditionellen Frauenrolle produzieren und sich dabei vornehmlich auf partnerschaftliche und familiäre Sorgetätigkeiten beziehen.

Während soziale Netzwerke in der Vergangenheit durch Diskurse umfassender Selbstoptimierung (Einklang von Sport, Ernährung, Karriere, Bildung etc.), etwa in der #ThatGirl- und #GirlBoss-Bewegung, geprägt waren, rückt in diesen neuen Formaten also eine radikale Häuslichkeit ins Zentrum der performativen Darstellung von Weiblichkeit.
Dies geschieht auch in expliziter, bisweilen scharfer Abgrenzung zu feministischen Positionen in Diskursen um die Vereinbarkeit von Sorge- und Berufstätigkeit, wobei zugleich ostentativ auf feministische Rhetoriken der Selbstbestimmtheit und der Befreiung – nun mit umgekehrten Vorzeichen – zurückgegriffen wird.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die praktisch-diskursive Erzeugung weiblicher Subjektivierungsformen im Tradwife-Content herauszuarbeiten und dabei insbesondere die immanenten Lösungsansprüche in Bezug auf geschlechtsspezifische Vereinbarkeitsproblematiken sowie Vermittlungspraktiken mit Blick auf eine umfängliche Geschlechterbildung zu rekonstruieren.

Die Forschungshypothese ist, dass die social-media-basierte Subjektform Tradwife nicht nur neue geschlechtsbezogene Subjektivierungspotenziale bereithält, sondern diese auch reflexiv und diskursiv mit klassischen feministischen Problematisierungen (Vereinbarkeit, Care) verbindet und mit einem (politischen) Vermittlungsanspruch der Geschlechterbildung verkoppelt.

​Publikationen

Elven, J. & Wieners, S. (2026, i.E.). Mind the Gap! Wie TradWife-Influencerinnen ungelöste Geschlechterungleichheiten als Spielraum für die Vermitttlung neo-traditionaller Geschlechterrollen nutzen. In Dinkelaker, J. et al. (Hrsg.), SPIELräume. Gestaltungsfelder der Erwachsenenbildung zwischen Freiheit und Restriktion. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Vorträge

Elven, J.; Wieners, S.: Mind the Gap! Wie Tradwife-Influencer*innen ungelöste Geschlechterungleichheiten als Spielraum für die Vermittlung neo-traditioneller Geschlechterrollen nutzen. Tagung der Sektion Erwachsenenbildung, Universität Koblenz