Projekt EQualCare - Allein aber vernetzt

Allein aber vernetzt - Digitale (Un)gleichheiten in Fürsorge- und generationalen Beziehungen bei alleinlebenden Menschen im Alter (EQualCare)

Das Projekt "EQual Care - Allein aber Vernetzt?" untersuchte die Fürsorgebeziehungen von alleinlebenden Personen über 60 Jahren und die Rolle, die digitale Geräte wie Smartphone, Computer oder Tablet in diesem Zusammenhang spielen.   

Die Durchführung des Projekts gestalteten Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität Frankfurt gemeinsam mit Bürger*innen in Frankfurt und Egelsbach. Das Ziel des partizipativen Forschungsprojekts war es zusammen Veränderungen auf lokaler Ebene anzustoßen und Handlungsempfehlungen für die Politik zu entwickeln.

Dabei war das deutsche Projekt Teil einer europäischen Kooperation mit Finnland, Schweden und Lettland. In jedem Teilprojekt wurden ähnliche forschungsleitende Fragen gestellt. So konnten Vergleiche zwischen den Ländern stattfinden und gemeinsame Handlungsempfehlungen für die Politik (beispielsweise auf EU-Ebene) erarbeitet werden.

Ansprechpartnerin: Dr. Rafaela Werny | werny@em.uni-frankfurt.de

Projektbeteiligte:
Laufzeit: April 2021 bis März 2024


Förderung: Joint Programming Initiative (JPI) “More Years Better Lives" / Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)


Hintergrund
  • Die Digitalisierung verändert das Verhältnis von Nähe und Distanz in zwischenmenschlichen Beziehungen stark. Es entstehen neue kulturelle Vorstellungen von Fürsorge, Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit. Allerdings können auch Ungleichheiten zwischen Generationen, Einkommensgruppen und Ländern verstärkt werden.
  • Die Digitalisierung hat dazu beigetragen, dass jüngere und ältere Menschen in Familien stärker vernetzt sind. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende soziale Isolation hat dazu geführt, dass ältere Menschen vermehrt digitale Technologien nutzen, um mit Familienmitgliedern und Freund*innen in Kontakt zu bleiben.            
  • Immer mehr Menschen im höheren Alter leben alleine. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von einem starken Bedürfnis nach Autonomie bis zu Scheidung und Verwitwung. Allein zu leben stellt bestimmte Herausforderungen dar. Diese betreffen insbesondere digitale oder nicht-digitale Fürsorgebeziehungen. 
  • Daher war es von großem Interesse, die Digitalisierung von Fürsorgearbeit für und von Familienmitgliedern, Freund*innen sowie anderen (nahen und fernen) Personen, Organisationen und Netzwerken wissenschaftlich zu untersuchen.
Methoden
  • EQualCare war ein international vergleichendes Projekt in vier Ländern: Finnland, Schweden, Lettland und Deutschland. Finnland und Schweden waren in Bezug auf die Digitalisierung sehr fortgeschritten und boten so einen Kontrast zu Deutschland und Lettland.      
  • In jedem dieser Länder wurden zwei Forschungsgruppen gebildet: Eine im städtischen und eine im ländlichen Raum. Die Forschungsgruppen bestanden aus Wissenschaftler*innen der jeweiligen Universität und älteren alleinlebenden Bürger*innen.
  • Diese Bürger*innen, auch Ko-Forscher*innen genannt, haben gemeinsam mit den Wissenschaftler*innen Forschungsfragen und Probleme im Themenbereich von EQualCare identifiziert, gemeinsam einen Interviewleitfaden entworfen und ältere alleinlebende Menschen aufgesucht und deren Erfahrungen in Interviews festgehalten. Im Anschluss wurden die Interviews in den Gruppen diskutiert und Handlungsempfehlungen für Politiker*innen abgeleitet.
  • Mit Hilfe der Ko-Forscher*innen konnte das Forschungsprojekts dazu beitragen lokale Barrieren und Unterschiede sichtbar zu machen und Anstöße für Wandel zu geben.
Ziele
  • EQualCare hatte zum Ziel, Wissen zum Thema Digitalisierung von Fürsorgebeziehungen von alleinlebenden Menschen im höheren Alter zu zusammenzutragen und Empfehlungen für die Politik zu entwickeln. Darüber hinaus sollte es dazu beitragen Barrieren und Hindernisse durch die Zusammenarbeit mit älteren Bürger*innen abzubauen. Dazu war das Projekt sensibel für verschiedene Hintergründe und Bedingungen.
  • Die Analyse von sozialpolitischen Dokumenten, die sich mit den Themen Digitalisierung, Alleinleben und (Mit-)Verantwortung auseinandersetzen, ist abgeschlossen und kann hier aufgerufen werden.
  • Beide Gruppen der Ko-Forscher*innen trafen sich seit Beginn des Jahres 2022 alle zwei Wochen. Am Anfang fand eine intensive Auseinandersetzung mit den Kernthemen Alleinleben im Alter, Fürsorgebeziehungen und Digitalisierung statt. Das Erlernen von Forschungsmethoden und die Schulung zu Ko-Forschenden stand bis zur Sommerpause im Mittelpunkt. Daraufhin wurde gemeinsam ein Leitfaden für Interviews entwickelt. Dieser wurde von den Ko-Forschern*innen als Grundlage für Interviews genutzt. Interviewt wurden alleinlebende Menschen in ihrer Vielfalt im Hinblick auf Geschlecht, Alter, Nutzung von digitalen Geräten und Art des Beziehungsnetzwerkes. Die Interviewphase wurde zu Beginn des Jahres 2023 abgeschlossen.
  • Es schloss sich die gemeinsame Analyse des Interviewmaterials an. Ziel war es, gemeinsam Ergebnisse zu den Themen Alleinleben, Sorge für sich und andere, Beziehungsnetzwerk(e) und Nutzung und Grenzen der Digitalisierung für Alleinlebende im Alter aus dem Interviewmaterial abzuleiten. Aufbauend darauf wurden Handlungsempfehlungen (Gruppe Frankfurt | Gruppe Egelsbach) erarbeitet. 
  • Im Rahmen verschiedener Veranstaltungen auf lokaler, regionaler und EU-Ebene wurden die Handlungsempfehlungen an Politiker*innen vermittelt. Im Herbst 2023 endete die Arbeit mit den Ko-Forscher*innen. Aus jeder Gruppe wurde ein Projektbericht veröffentlicht: Projektbericht Frankfurt, Projektbericht Egelsbach
  • Im Frühjahr 2024 fand ein Roundtable auf regionaler und nationaler Ebene gemeinsam mit Stakeholdern aus Praxis und Politik statt. 
  • Die Ergebnisse des Projekts wurden in einem White Paper veröffentlicht.
  • Das Projekt wurde im April 2024 abgeschlossen. Vielen Dank an alle Beteiligten für das gelungene Projekt!

Wissenschaftliche Publikationen

Leontowitsch, Miranda; Werny, Rafaela; Henning, Smilla; Oswald, Frank; Niemistö, Charlotta; Sjögren, Hanna; Hearn, Jeff; Putnina, Aivita; Mileiko, Ilze; Malm, Camilla; Andersson, Marcus; Krekula, Clary (2024) EQualCare: Alone but connected? Digital (in)equalities in care work and generational relationships among older people living alone – White Paper. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt Germany. DOI: https://doi.org/10.21248/gups.70657 


Werny, Rafaela; Leontowitsch, Miranda; Leinweber, Lukas; Henning, Smilla; Oswald, Frank (2024). Allein aber vernetzt : Digitale (Un)gleichheiten und soziale Netzwerke bei alleinlebenden Menschen im Alter : White Paper. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg. https://doi.org/10.21248/gups.86415

Werny, Rafaela; Reich, Marie; Leontowitsch, Miranda; Oswald, Frank (2024) Digitalisierung und Sorgebeziehungen von Alleinlebenden im Alter: eine kritische Analyse politischer Dokumente. Z Gerontol Geriat (2024). https://doi.org/10.1007/s00391-024-02309-0

Leontowitsch, Miranda; Putnina, Aivita; Andersson, Marcus; Niemistö, Charlotta; Werny, Rafaela; Sjögren, Hanna; Mileiko, Ilze; Lakševics, Karlis; Pokšans, Artūrs; Neikena, Mara; Orste, Līna; Malm, Camilla; Oswald, Frank; Hearn, Jeff; Krekula, Clary (2023) Participatory action research on webs of caring in the digital age across four European countries. In: Quality in Ageing and Older Adults, Vol. ahead-of-print No. ahead-of-print. https://doi.org/10.1108/QAOA-03-2023-0020

Werny, Rafaela; Reich, Marie; Leontowitsch, Miranda; Oswald, Frank (2022): EQualCare Policy Report Germany. Goethe University Frankfurt, Germany. DOI: https://doi.org/10.21248/gups.69905.

  • Vortrag, 14th World Conference of Gerontechnology in Frankfurt (02-04. Sep. 2024)
  • Symposium und Vortrag, Nordic Congress of Gerontology in Stockholm (12-14. Juni 2024)
  • Workshop, 8. Berliner Werkstatt Partizipative Forschung (online) (01. März 2024)
  • Vortrag, Gemeinsame Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Vechta (21-22. Sep. 2023)
  • Kolloquium und Vortrag Ageing and Social Change in Ancona (14. - 15. Sep. 2023)
  • Vortrag, Werkstattgespräch des Interdisziplinären Arbeitskreises Ambivalenz in Frankfurt (9. - 10. März 2023)
  • Projektwerkstatt, 7. Berliner Werkstatt Partizipative Forschung in Berlin (3. März 2023) 
  • Vortrag, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Frankfurt (12. - 15. Sep. 2022)
  • EU Webinar EQualCare (online) 07. März 2024
  • Round Table mit Stakeholdern aus Praxis und Politik auf Bundesebene (online) 29. Feb. 2024
  • Round Table mit Stakeholdern aus Praxis und Politik auf regionaler Ebene (online) 15. Feb. 2024
  • Teilnahme Marktplatz der Möglichkeiten, Demokratiekonvent Frankfurt (18. Nov. 2023)
  • Projektvorstellung und Diskussion, Aktionswoche „Nicht(s) vergessen“ der evangelischen Kirchengemeinde Egelsbach (16. Nov. 2023)
  • Projektvorstellung mit Podiumsdiskussion, Bürgerhaus Egelsbach (17. Okt. 2023)
  • Projektvorstellung und Diskussion mit Kordula Schulz-Asche (Bundestagsabgeordnete) Aktionswoche Älterwerden in Frankfurt 2023 (25. Sep. 2023)
  • Projektvorstellung und Diskussion, Digitaltag Frankfurt (16. Juni 2023)
  • Vortrag, Gut zu wissen Inforeihe für Engagierte 2022 (15. Nov. 2022)
  • Vortrag, Aktionswoche Älterwerden in Frankfurt 2022 (22. Sep. 2022)